Michael Kamp/Jürgen Richert
Spinnweberei Uhingen-Waldkirch
Eine deutsch-jüdische Firmengeschichte
Spinnen und Weben gehören zu den ältesten Handwerken der Menschheit. Mit dem Beginn der industriellen Fertigung und dem Aufkommen mechanisierter Produktionsverfahren im 19. Jahrhundert erlebte ihre Ausübung einen tiefgreifenden Wandel.
Die Spinnweberei Uhingen-Waldkirch (SWU) ist Teil dieser Geschichte. Das vorliegende Buch erzählt die Entwicklung des Unternehmens nicht nur im Kontext der Industriegeschichte, sondern auch aus sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive. Als Alltagsgeschichte eines Textilbetriebs beschreibt es Arbeitsbedingungen und Löhne ebenso wie Betriebsfeste und gemeinsame Ausflüge.
Die Geschichte der SWU ist zugleich eine deutsch-jüdische Geschichte. Die Gründer – Mitglieder der jüdischen Familie Rothschild – mussten das Unternehmen in der NS-Zeit im Zuge der „Arisierung“ aufgeben. Die Familie emigrierte, und das Unternehmen wurde enteignet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Hans Rothschild, der frühere Haupteigentümer, zurück und übernahm erneut die Leitung der Firma. Nach seinem Tod im Jahr 1969 vermachte er seine Anteile der jungen Augenärztin Hella Richert. Ein unbedingt lesenswertes Buch – sorgfältig recherchiert, spannend erzählt und reich bebildert.
„Gut lesbar und dabei stets in übergeordnete wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Prozesse integriert sowie um facettenreiche
biografische Exkurse ergänzt, ist eine auch für die breite Öffentlichkeit hochinteressante
Unternehmensgeschichte entstanden, deren wissenschaftlicher Apparat samt Register ebenfalls kein Wünsche offen lässt.“
Rezension von Stefan Lang,
Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte
85. Jg., 2026, S. 450.
